Letzte Aktualisierung:
8. Februar 2017

trans.SCRIPT - Hand mit Ohr

Rückblick: EU-Projekt zur Schriftdolmetsch-Ausbildung

Im Folgenden ein Rückblick auf die erste Schriftdolmetsch-Ausbildung in Österreich. Diese erfolgte 2010/2011 im Rahmen eines EU-Projekts.

AUSWAHL VON KANDIDATEN

Nach organisatorischen Vorarbeiten und Kompetenzaufteilungen kam es zu einer Ausschreibungsphase, in der Kandidaten aus ganz Österreich Ende September 2010 zu einer Potenzialanalyse nach der Assessment-Center-Methode zum ÖSB nach Wien eingeladen wurden. Zielsetzung war die Auswahl der Ausbildungsteilnehmer nach vorab genau festgelegten Kriterien. Kriterien, die für die Erfüllung einer solchen Tätigkeit als Grundvoraussetzung notwendig sind. Die Teilnahme am Einstufungstest stand Interessenten aus ganz Österreich offen.

ART UND INHALT DER AUSBILDUNG

Letztlich wurde insgesamt zehn Personen aus ganz Österreich eine fundierte Basisausbildung in einer achtmonatigen E-Learning Ausbildung als Schriftdolmetscher zuteil. Etwa 80 % der Ausbildungsinhalte wurden in Form von E-Learning-Modulen erlernt und ca. 20 % bei Präsenztreffen vermittelt. Die Betreuung durch den ÖSB wurde in Wien und Klagenfurt gewährleistet.

Die Ausbildung setzte sich letztlich aus drei wesentlichen Komponenten zusammen:

1.) Theorieblock (aus den Bereichen Soziologie, Psychologie, Medizin, Hörtaktik, Hörakustik, hörtechnische Zusatzhilfsmittel etc.)
2.) Schreib- und Dolmetschpraxis sowie
3.) Praktika/Hospitationen und Schriftdolmetschübungen



INFOS ZU AUSBILDUNG UND ABSCHLUSSPRÜFUNGEN

Mit 30. Mai 2011 endete die achtmonatige Schriftdolmetsch-Ausbildung in Österreich. Am 2. Juli 2011 fanden die Abschlussprüfungen statt. Zu diesem Zweck wurde eine eigene Prüfungskommission eingerichtet, bestehend aus zwei Vertretern des ÖSB und zwei Vertretern des DSB (Deutscher Schwerhörigenbund) inklusive einem zertifizierten Schriftdolmetscher. Außerdem saßen jeweils ein Vertreter des EU-Projektkoordinators „bkp" und von RWE/VSE (slowakischer Energiekonzern, der dort vor Ort Schriftdolmetscher ausbildet) als Beobachter den Prüfungen bei.

Die Abschlussprüfung bestand aus fünf Teilen, wobei das Schriftdolmetschen, die Kompetenz im Umgang mit hörgeschädigten Personen, das Verfassen einer Seminararbeit und eines Protokolls, aber auch die fachlichen Kompetenzen aus den Lerninhalten (Hörbehinderung, Psychologie, Hörakustik, kommunikative Kompetenz etc.) der vergangenen acht Monate Thema waren.

Alle Prüfungsteile sowie deren Bewertung wurden in einer für Österreich adaptierten Prüfungsverordnung festgeschrieben, fußend auf den Erfahrungen und Vorgaben des DSB. Dort gibt es diese Art der Ausbildung schon, allerdings mit dem Unterschied, dass in Deutschland die Ausbildung auf reines Präsenzlernen ausgelegt ist und zwei Jahre umfasst.

Unser Projekt ermöglichte durch den Wissenstransfer über eine E-Learning-Plattform (Internet) ein hohes Maß an eigenverantwortlichem Lernen, was den Zeitaufwand verringerte und letztlich auch berufstätigen Menschen die Teilnahme ermöglichte.

Insgesamt wurden acht Präsenztreffen zu je acht Stunden (also monatlich eines) abgehalten. Diese dienten der Vertiefung von Lerninhalten, es gab Vorträge von Gastreferenten zu den Themen Schriftdolmetschsettings, Hörbehinderung und Hörakustik, Psychologie und Hörbeeinträchtigung etc.

Praktika im Ausmaß von 80 Wochenstunden im Zeitraum von acht Monaten, in denen alle Kandidaten im Feld live schriftdolmetschen mussten und konnten, komplettieren die doch sehr umfangreiche Ausbildung.

Alle Teilnehmer, die die Prüfung bestanden haben, haben ein Zertifikat erhalten und dürfen den Titel "Zertifizierte/r ÖSB-trans.SCRIPT-Schriftdolmetscher" tragen. Die Ausbildung und das Zeugnis werden vom österreichischen Bildungsträger "BFI Wien" unterstützt und anerkannt.